Niedergang

Das Ende des Ritterguts

Im Frühjahr des Jahres 1813 wurde die Stadt Bischofswerda als Grundeigentümerin des Rittergutes von plündernden napoleonischen Truppen in Schutt und Asche gelegt. Am 25.9.1813 plünderten Kosaken das Gut und beschädigten es so schwer, dass der letzte Eigentümer sich bis in das Jahr 1836 nicht von den schweren Folgen erholen konnte. Der Gesamtschaden wurde mit 10440 Talern angegeben. Als er im gleichen Jahr starb, führte seine Frau es noch bis 1837 weiter, musste dann aber aufgeben.

Die Stadt ließ nun die Schafweiden am Butterberg und an der Scharfrichterei – dem späteren Waldschlösschen – mit Hochwald bepflanzen und verpachtete die restlichen Flächen als einzelne Felder. Für den Verkauf der Gebäude und des Inventars erhielt sie 6000 Taler. Die einzelnen Gebäude des Hofes wurden im Laufe der Zeit geschliffen, und es blieb nur noch der größte Teil des Wohnhauses erhalten. Kirchlich gehörten Dorf und Gut schon immer zu Bischofswerda. 1839 wurde Pickau in den größeren Ort Geißmannsdorf eingemeindet und verlor damit seine relative Selbständigkeit. Im Jahr 1881, als schließlich auch das ehemalige Forsthaus des Rittergutes von der Stadt verkauft wurde, hatte Pickau 31 Einwohner.

Die letzten Eigentümer des durch Verkauf und Teilung stark verleinerten Gutes waren Max Gnauck und seine Frau Anna. Sie betrieben hier eine kleinere Landwirtschaft mit Kühen. Das Gebäude blieb umgangssprachlich aber immer das Rittergut, und so hatte Max Gnauck in der Nachbarschaft den entsprechenden Spitznamen „Der Ritter”.

Als im Februar des Jahres 1962 ein Teil der Südwand einstürzte, war das Haus nicht mehr bewohnbar und wurde in den Folgejahren abgerissen. Ende der 60er Jahre entstand hier ein privates Eigenheim, wodurch heute baulicherseits fast nichts mehr an das einstige Rittergut erinnert. Der östliche Anbau des Eigenheimes steht auf den Grundmauern des Anbaus des Rittergutsgebäudes (s. oberes Foto). Einzig der noch vorhandene Rest des Gutsteiches am heutigen Festplatz wie auch dieser selbst erinnert an den früheren Hof im Zentrum der damaligen bäuerlichen Gebäude.

1974 schließlich wurde Geißmannsdorf zu Bischofswerda eingemeindet, und damit kam auch Pickau wieder zur Stadt zurück. Als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit erhielt der Ort 1995 anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Siedlung wieder Ortsschilder. Damit stellt sich Pickau auch rein äußerlich heute wieder als geschlossene Einheit dar.