Die Bauernhöfe

Die Bauernhöfe - das dörfliche Pickau

Die Bauernhöfe von Pickau haben mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre stärkste Entwicklungsphase mit dem Niedergang des Rittergutes genommen. Man kann zu Recht annehmen, dass sie sich in dieser Zeit vergrößerten und zu Produktionseinheiten wurden, die ihre Bewohner relativ unabhängig ernähren konnten. Einen gesicherten Beweis, dass nicht auch schon der eine oder andere Hof in den letzten Jahren des Rittergutes selbständig gewesen sein könnte, gibt es bisher nicht. In den „Sächsischen Meilenblättern”, die für unsere Gegend um 1786 entstanden sind, kann man erkennen, dass an der Stelle nördlich des Wohnhauses des Rittergutes bereits Gebäude standen, die nahezu deckungsgleich mit den in heutigen Kartenwerken verzeichneten Gebäuden sind. Westlich davon standen um 1800 noch keine Gebäude, wohingegen auf der Flurkarte von 1841 in den Flustücken 2, 3 und 5 Häuser zu finden sind. Im Flurstück 8 sieht man das letzte Gebäude des alten Rittergutes, das Wohnhaus. (Die Karte wurde im 20. Jahrhundert überzeichnet und mit den späteren Siedlungsgrundstücken – rot – versehen.)

Das Pickauer „Oberdorf”, am Burkauer Weg/Straße zum Butterberg gelegen, hat sich also zuerst herausgebildet. Mit der Auflassung des Rittergutes um das Jahr 1837 begann dann das intensive Wachsen der Gehöfte, die sich dann über viele Jahre hin bis zur heutigen Struktur entwickelten. 

Vom Rittergut selbst blieb die bereits beschriebene Wirtschaft der Familie Max Gnauck übrig. Das ehemalige Wohnhaus diente nun auch als Stall und Scheune. Es waren schließlich acht Bauernwirtschaften, die sich aus dem ehemaligen Rittergutsbesitz in Pickau herausbildeten und bis in die DDR-Zeit hinein Landwirtschaft betrieben.

Die meisten Wohnhäuser sind in der Zeit um 1840/1850 und zumeist in Fachwerkbauweise entstanden. Vom Entstehungsjahr der Übrigen ist leider nichts überliefert. Das Wohnhaus des Flurstücks 14 (s. o.) ist erst nach 1914 aufgestockt worden. Davor war es ein einstöckiger Bau mit Strohdach und angebautem Backofen, dessen Errichtung viel weiter zurück liegen muss. Der Hof Flurstück 4 wurde als letzter erst im Jahre 1897 erbaut.

Wenn man die Gebäude und Entwicklung der Höfe betrachtet, kann man auch davon ausgehen, dass alle Bauern von Pickau das nötige Auskommen hatten und erwirtschaftete Überschüsse in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Landwirtschaftsbetriebe investieren konnten. Auch wenn es schlechte Zeiten gab, Bauern, Söhne oder Verwandte in Kriegen blieben, sich überraschend Todes- oder Unglücksfälle ereigneten, es ist wohl immer irgendwie weitergegangen.