Anfänge und Blütezeit

Das Rittergut Pickau

In einer Urkunde, die im Sächs. Staatsarchiv Dresden archiviert ist, taucht 1411 erstmals ein Rittersitz „Pickaw” auf. 1412 belehnt der Bischof von Meißen „die von Kyntsch” mit dem Vorwerk und Dorf Pickau. 1428  gehörte der Rittersitz dem „gestrengen Hansen Kochenmeister”
(Küchenmeister). Im Jahr 1439 gehen das Gut und die zugehörigen Ländereien an die Brüder Hans und Joachim von Bolberitz. Die Stadt Bischofswerda kauft das Gut 1544 von „denen von Bolberitz” zusammen mit Geißmannsdorf, der Wüstung Teupitz und Schönbrunn (Meißner Seite) für 5200 Gulden und verpachtet es von nun an. Es stellte lange Zeit eine Haupteinnahmequelle der Stadt dar.

Zum Gutsblock gehört auch das Gelände des Butterberges. In der Chronik von Pusch aus dem Jahre 1658 heißt es dazu: „Anno 1544. Ist das Rittergut Pückau / mit denen Gärtnern und Häußlern / daß Dorff Geißmißdorf / wie es in allen Originalien genennet wird / zween Bauern von Schönborn / sambt der Wüstung Teupitz / Scherffling und Pfaffenholz /sambt denen obersten und untersten Gerichten / Erblichen / von denen von Bolberitz umb 5200 fl. Reinisch erkaufft / und zur Stadt bracht worden...” Haupterwerbsquelle des Ritterguts war die Schafzucht. Bis hinauf auf den zum Teil noch unbewaldeten Butterberg weiden in guten Zeiten etwa 600 Schafe

Die Pacht betrug laut dem ältesten überlieferten Pachtvertrag mit Johann Rietzschel aus Hauswalde um 1739 jährlich 750 Gulden. Die nebenstehende Skizze zeigt die Verteilung und Nutzung der Gebäude. Allerdings gibt diese unmaßstäbliche Skizze nicht die wahren Größenverhältnisse wieder. Erst auf den sog. „Berliner Meilenblättern von Sachsen” aus den Jahren 1786 bis 1806 (siehe Titelbild dieser Seite) wird die tatsächliche Ausdehnung des Ritterguts sichtbar. Die Gesamtfläche des Gutshofs betrug nach Schätzungen auf der Grundlage des historischen Kartenmaterials etwa 10000 m². Er dehnte sich aus von der heutigen Ludwig-Richter-Straße bis hinauf zum Klengelweg und vom Pickauer Berg bis hinter das heutige Grundstück Klengelweg 45. Allein das Wohnhaus hatte, misst man in den Meilenblättern nach, eine Länge von nahezu 50 m. Realistisch dürften es ca. 25...30 m gewesen sein. Der Teich war reichlich doppelt so groß wie heute.